Nach einer kurzen Begrüßung der zahlreich erschienenen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, in der darauf hingewiesen wurde, dass dieses Hearing nur ein erster Schritt zur Bestandsaufnahme über bestehende Partnerschaftsbeziehungen sein kann und dass in einem zweiten Schritt ebenso „die Welt zu Gast in Bonn“ zum Thema gemacht werden sollte, übergab Herr Ulrich Mercker vom Eine-Welt-Forum Bonn das Wort an den Leiter der InWEnt-Servicestelle „Kommunen in der Einen Welt“, Herrn Ulrich Nitschke, der als Moderator der Gesamtveranstaltung fungierte. Im Anschluß an die Skizzierung des geplanten Ablaufs des Hearings bat dieser Frau Dr. Maria Hohn-Berghorn vom Vorstandsreferat 01 der OB, das von ihr erarbeitete und seit dem Jahr 1999 im Rat der Stadt Bonn verabschiedete „Konzept für Internationale Kontakte der Stadt Bonn“ in groben Zügen zu erläutern:
Frau Hohn-Berghorn ließ es sich nicht nehmen, zu Beginn in Anspielung
auf das Grußwort von Herrn Mercker zu ergänzen, dass Bonn nicht nur die „Wiege
der Indologie ist, sondern auch die der Slawistik und der Romanistik“. Sodann
führte sie aus: Die Rolle Bonns als Bundeshauptstadt verhinderte bis in die
90er Jahre, dass städtepartnerschaftliche Beziehungen zu anderen Städten aufgebaut
wurden. Was existierte, waren Bezirkspartnerschaften mit einzelnen westeuropäischen
Städten, die vor allem dem Gedanken der Versöhnung nach dem II.Weltkrieg verpflichtet
waren. Mit dem Hauptstadtbeschluß und der davon abgeleiteten neuen Rollenzuweisung
Bonns als UN-Stadt und Zentrum für internationale Zusammenarbeit wurde ein
neues Konzept für die internationalen Beziehungen der Stadt erforderlich.
Bei der Auswahl der Bereiche für zukünftige, möglichst nachhaltige partnerschaftliche
Beziehungen zu anderen Städten in anderen Weltregionen, standen vor allem
drei Handlungsfelder im Vordergrund:
· Kultur
· Jugend
· Verwaltungsfachwissen und –leute
Kriterien für die Auswahl der Städte waren u.v.a.:
· Bereits vorher bestehende Kontakte
· Ein Bezug zu den Inhalten der UN-Sekretariate in Bonn (z.B. Desertifikation)
· Möglichkeiten an Fördergelder der EU zu gelangen
Insgesamt sind in dem Konzept 12 verschiedene Kriterien aufgelistet. Auf diese
Weise fiel die Wahl auf die vier Städte
· Minsk (Belarus)
· Buchara (Usbekistan)
· Ulan Bator (Mongolei) und
· La Paz (Bolivien)
Das Internationale Konzept sei ein geeignetes Mittel, das Profil des Standortes
der Internationalen Stadt Bonn zu gegebenen Anlässen hervorzuheben.
In der anschließenden kurzen Aussprache wurde angesichts drastisch gesunkener öffentlicher Haushaltsmittel für projektbezogene Öffentlichkeitsarbeit die Frage nach Möglichkeiten der Unterstützung durch die Stadt gestellt, z.B. auch durch symbolische Maßnahmen wie den Empfang auswärtiger Gäste im Rathaus. Die Referentin stellte klar, dass mit finanzieller Unterstützung nicht zu rechnen sei, dass aber bei rechtzeitiger Mitteilung eine Einladung ins Rathaus immer möglich sei.
Als nächster Referent trat Dr. Thomas Fues vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) auf. Er sprach über die gestiegene Bedeutung der Kommunen im Globalisierungsprozeß und ihre potentielle Rolle als Akteure im Modell der „global governance“. Die immer sichtbarer werdende Selbstgefährdung der Menschheit durch ökologische Schäden habe entscheidenden Anteil an der Herausbildung eines planetarischen Bewusstseins. Der ökonomische Globalisierungsprozeß führe aber zu einem Wandel der Staatlichkeit und zum Verlust klassischer nationalstaatlicher Souveränität. Hierdurch ausgelöste Ohnmachtserfahrungen führten nicht zuletzt zur Suche nach Nischen, in denen Mitwirkung und –sprache erfolgversprechend seien. Hier böten Städtepartnerschaften als internationale Lerngemeinschaften attraktive Möglichkeiten, denn durch direkte Mensch-zu-Mensch-Begegnungen könne die Motivation für langfristiges Engagement wieder geweckt werden. Den Zustand der weitgehend auf ehrenamtlicher Basis operierenden Partnerschaftsinitiativen beschrieb Fues als unbedingt verbesserungswürdig: Begrenzte Ressourcen engen den Aktionsspielraum stark ein; verbreitet sei eher eine vertikale Caritas-Einstellung gegenüber den Partnern statt das jeweilige Eigeninteresse zu betonen; die Gruppen zeichneten sich oft durch ausgeprägte Selbstgenügsamkeit aus. Hier sei dringend institutionelle Unterstützung gefordert. Ebenso gelte es, Visionen und Leitbilder zu entwicklen, an denen sich die Arbeit der Initiativen orientieren können. Um eine Kontinuität in der Arbeit zu gewährleisten, sei die Tätigkeit eines „Vernetzungsmanagers“ unverzichtbar. Um für Bonn im Vergleich zu anderen wichtigen Standorten ein Alleinstellungsmerkmal herauszubilden, halte er es für denkbar, analog zur alljährlich in München stattfindenden „Internationalen Sicherheitskonferenz“ (früher: Wehrkundetagung) in Bonn eine „Internationale Nachhaltigkeitskonferenz“ zu organisieren. Hiermit könnte das geforderte Leitbild zum Programm werden.
Im Anschluß an die beiden Impulsreferate fand eine kurze Vorstellungsrunde
aller anwesenden Personen und Vereine statt, bei der jeder in der gebotenen
Kürze auf die vom Moderator gestellten Leitfragen eingehen sollte:
· Worin besteht das Ziel Ihrer Partnerschaftsaktivität?
· Welche Anforderungen stellen Sie an das Partnerschaftskonzept der UN-Stadt
Bonn? Die ursprünglich gestellte Frage nach der „Bereitschaft, einen eigenen
Beitrag zur Umsetzung zu leisten“, wurde hintangestellt und der Abschlussdiskussion
vorbehalten. In diesem Zusammenhang wurde die Information gegeben, dass im
Jahre 2008 wieder eine große internationale Biodiversitätskonferenz in Bonn
stattfinden werde, und dass man sich hierauf auf NGO-Seite ebenfalls vorbereiten
könne. Die Vorstellungsrunde nahm insgesamt etwa 1 Stunde in Anspruch, so
dass für die abschließende Aussprache nur noch ein begrenzter Zeitrahmen verblieb.
Die im Programm angekündigte Auswertung der mit den Einladungen verschickten
Fragebögen musste ausfallen, da zum gegebenen Zeitpunkt lediglich 5 Rückläufe
eingegangen waren, und zwar von Dt-Indische Gesellschaft e.V. (nicht anwesend),
Minsk-Club Bonn e.V., Bonn-Petrópolis e.V., Globale Nachbarschaft e.V., Nicaraguahilfe
Bonn e.V.. Nachgereicht wurden noch die Fragebögen von Dt-Brasilianische Gesellschaft
e.V., Deutsch-Usbekische Gesellschaft e.V. sowie vom Vertreter des Amos-Comenius-Gymnasium,
das eine Partnerschaft mit einer Schule im Senegal aufbaut.
Die abschließende Aussprache ergab folgende Ergebnisse bzw. Vorschläge:
· Ein jährliches Austauschtreffen wird von allen Anwesenden gewünscht.
· Neben einer Neuauflage eines städtischen Verzeichnisses der Partnerschaftsvereine
sollte auch über eine evtl. Internet-Präsenz sämtlicher Vereine nachgedacht
werden. Die Produktion einer eigenen Publikation zu Partnerschaftsfragen und
–erfahrungen dürfte an fehlender Arbeits- und Finanzkraft scheitern.
· Eine gemeinsame spektakuläre Veranstaltung sämtlicher Partnerschaftsvereine
in Bonn sollte geplant werden.
· Es besteht Raumbedarf für kontinuierliches zivilgesellschaftliches Engagement.
(Stichwort Ermekeilkaserne) · Die Fortsetzung der Diskussion um eine verbindende
Leitidee bzw. eine gemeinsame „Dachmarke“ fürs internationale Bonn ist erwünscht.
Bilanz: Der latente Widerspruch zwischen der Position, die vor allem die Stärkung des UN-Standortes Bonn im Blick hat, und jener, die in erster Linie das bisher unsichtbare Potential kleinerer Vereine zur Geltung kommen lassen will, blieb offen. Es besteht weiterer Diskussionsbedarf. Protokoll: Ulrich Mercker
Hintergrund
Internationales Konzept der Stadt Bonn
Ablauf des Hearings
Bilder des Abends
Die Veranstaltung wird unterstützt von Bundesstadt Bonn, InWEnt-Servicestelle „Kommunen in der Einen Welt“, Eine-Welt-Netz NRW, Dritte-Welt-Journalisten-Netz Bonn/Köln